Politik27. April 2026

Lehrermangel 2026: 30.000 unbesetzte Stellen — was das bedeutet

Wer Kinder in der Schule hat, merkt es oft als erstes: Die Klasse wird von wechselnden Vertretungslehrkräften betreut, der Fachunterricht fällt sporadisch aus, Stundenpläne ändern sich kurzfristig. Der Lehrermangel ist in Deutschland 2026 kein abstraktes politisches Problem mehr — er ist im Schulalltag spürbar.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Zehntausende Lehrerstellen in Deutschland sind 2026 unbesetzt oder mit Vertretungskräften besetzt
  • Besonders betroffen: Grundschulen, ländliche Regionen, MINT-Fächer und Sonderpädagogik
  • Die Ursachen sind strukturell: demografische Lücke, zu wenig Studienplätze, mangelnde Attraktivität des Berufs
  • Die Situation unterscheidet sich stark zwischen den Bundesländern
  • Kurzfristige Lösungen — Quereinsteiger, Pensionierte — schließen die Lücken nicht vollständig

Woher kommt die Zahl 30.000?

Die Zahl kursiert in verschiedenen Variationen — mal sind es 25.000, mal 40.000 fehlende Lehrerinnen und Lehrer. Was steckt dahinter? Es kommt auf die Definition an. Kultusministerien zählen in der Regel offene Stellen, die nicht mit verbeamteten Vollzeit-Lehrkräften besetzt sind. Manche Statistiken rechnen auch Stellen mit, die zwar besetzt sind, aber mit Quereinsteigern ohne vollständige Lehramtsausbildung. Andere zählen nur Stellen, die zum Schuljahresbeginn nicht besetzt werden konnten.

Das Ergebnis: Zwischen 25.000 und 40.000 Stellen sind je nach Zählweise betroffen. Die genaue Zahl ist weniger wichtig als die Richtung: Der Mangel ist real, er ist groß, und er hat sich in den letzten Jahren verschärft.

Welche Schularten und Fächer sind am stärksten betroffen?

Bereich Lage 2026 Besonderheit
Grundschulesehr angespanntPensionierungswelle trifft besonders hart
Förderschule/SonderpädagogikkritischSpezialisierung nötig, zu wenig Ausbildungsplätze
MINT-Fächer (Mathematik, Physik, Informatik)angespanntKonkurrenz mit besser bezahlter Industrie
Berufsschulenstark angespanntIngenieurfächer besonders unterbesetzt
Gymnasiumweniger akutmehr Bewerber, aber regionale Lücken
Ländliche Regionenbesonders kritischMobilität und Lebensqualität als Faktor

Warum gibt es so wenig Lehrkräfte?

Die Ursachen sind nicht neu, aber sie wirken jetzt zusammen wie selten zuvor. Erstens: Die Generation der Lehrkräfte, die in den 1970er und 1980er Jahren in den Schuldienst eingestiegen ist, geht jetzt in Rente — in großer Zahl und auf einmal. Das erzeugt eine Lücke, die sich nicht kurzfristig schließen lässt.

Zweitens: Die Zahl der Lehramtsstudierenden war in den 1990er und 2000er Jahren zu niedrig, weil Einstellungsstopps und unsichere Perspektiven viele vom Lehramt abschreckten. Wer damals Abitur machte, hat sich oft für andere Berufe entschieden — und diese fehlenden Jahrgänge fehlen jetzt als ausgebildete Lehrkräfte.

Drittens: Der Lehrerberuf konkurriert heute um qualifizierte Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit einem deutlich attraktiveren Arbeitsmarkt. Wer Mathematik oder Informatik studiert, kann mit einem Gehalt rechnen, das weit über dem Lehrerlohn liegt — bei oft flexibleren Arbeitszeiten.

Wie reagieren die Bundesländer?

Die Reaktionen sind vielfältig, aber keines der Länder hat eine Patentlösung gefunden. Was verbreitet ist: Quereinsteiger werden verstärkt eingestellt — Menschen mit Hochschulabschluss, die ohne vollständige Lehramtsausbildung in den Unterricht gehen. Das schließt Lücken kurzfristig, ist aber nicht dasselbe wie ausgebildete Lehrkräfte.

Manche Länder verbeamten Lehrkräfte bis zu einem höheren Alter als bisher, um Pensionierungen hinauszuzögern. Andere bieten Prämien für die Bereitschaft, in unterversorgte Regionen zu gehen. Sachsen hat mit Hochschulpartnerschaften experimentiert, Bayern mit verkürzten Qualifizierungsprogrammen.

Keine dieser Maßnahmen löst das strukturelle Problem. Die Zahl der Lehramtsstudierenden ist zwar gestiegen, aber der Zuwachs wird die Lücke erst in zehn bis fünfzehn Jahren schließen.

Was es für Schülerinnen und Schüler bedeutet

Der Lehrermangel schlägt sich konkret im Unterricht nieder. Ausfall von Fachunterricht, der durch Aufsichts- oder Betreuungsstunden ersetzt wird. Klassen mit 30 oder mehr Schülerinnen und Schülern, weil keine Kapazität für Teilung besteht. Förderstunden, die nicht stattfinden, weil keine Lehrkraft dafür da ist. Das trifft besonders Kinder, die Förderung brauchen.

Wer mehr über die Auswirkungen auf das Bildungssystem erfahren möchte, findet weitere Artikel im Bereich Bildungsthemen aktuell. Einen Überblick über Schulferien — die für viele Familien die spürbarste Planungsgrundlage sind — gibt es im Schulferien-Überblick.

Häufige Fragen zum Lehrermangel 2026

Wie viele Lehrerstellen sind 2026 in Deutschland unbesetzt?

Je nach Definition und Erhebungsmethode sprechen verschiedene Quellen von 25.000 bis 40.000 fehlenden oder nicht vollwertig besetzten Lehrerstellen. Die Zahlen variieren, weil Länder unterschiedlich erfassen und Quereinsteiger teils mitgezählt, teils nicht mitgezählt werden.

Wann wird sich der Lehrermangel verbessern?

Kurzfristig nicht. Die Pensionierungswelle läuft noch einige Jahre weiter, und die Zahl der Lehramtsstudierenden kann den Bedarf erst mittelfristig — in zehn bis fünfzehn Jahren — teilweise abdecken. Für die nächsten Jahre ist eher eine Stabilisierung als eine deutliche Verbesserung zu erwarten.

Welche Fächer sind am stärksten vom Lehrermangel betroffen?

Besonders stark betroffen sind Mathematik, Physik, Informatik (MINT-Fächer), Sonderpädagogik und Grundschullehramt. Diese Bereiche leiden einerseits unter der allgemeinen demografischen Lücke, andererseits unter starker Konkurrenz durch gut zahlende Industrie- und Technologiebranchen.

Dürfen Quereinsteiger ohne Lehramtsstudium unterrichten?

In den meisten Bundesländern ja — mit begleitender Qualifizierung. Quereinsteiger haben oft ein fachverwandtes Hochschulstudium und werden pädagogisch nachqualifiziert. Sie sind keine vollwertige Lösung, schließen aber kurzfristig Lücken. Die genauen Regelungen variieren von Bundesland zu Bundesland.

Der Lehrermangel ist ein strukturelles Problem, das in den nächsten Jahren nicht verschwindet. Das ist keine Schuld einzelner Akteure, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Entscheidungen — fehlende Studienplätze in den 1990ern, Einstellungsstopps in wirtschaftlich angespannten Zeiten, zu langsame Reaktion auf demografische Trends. Jetzt zahlen Schulen und Familien dafür den Preis.

Was kurzfristig hilft: Eltern, die das Gespräch mit Schulleitungen suchen, wenn der Unterrichtsausfall regelmäßig wird. Schulkonferenzen, die auf die Situation aufmerksam machen. Und politisches Engagement auf Landesebene — denn Bildung ist Ländersache, und Landespolitik ist bürgernah. Aktuelle Entwicklungen rund um Bildungsthemen findest du im Bereich Aktuelles auf dieser Seite.

Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Berichten und Stellungnahmen zur Lehrkräftesituation in Deutschland. Zahlenangaben sind Schätzwerte aus verschiedenen Erhebungen ohne einheitliche Methodik. Stand: April 2026. Keine Werbepartner.

MY
Mustafa Yigit
Gründer & Chefredakteur bei schulferien-deutschland.org. Recherchiert Ferientermine, Bildungsthemen und Reisetipps für Familien in Deutschland.

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