Hitzefrei 2026: Ab wann gibt es hitzefrei — und wer entscheidet?
Stell dir vor: Es ist Mitte Juni, 34 Grad im Schatten, im Klassenraum staut sich die Hitze seit Stunden. Die Kinder schwitze, niemand kann sich konzentrieren. Und die Frage, die dann auftaucht — "Gibt es heute hitzefrei?" — ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie man meinen könnte.
Hitzefrei ist in Deutschland nämlich kein einheitliches Recht, keine bundesweite Regel und kein automatischer Anspruch. Was viele als selbstverständlich betrachten, ist in Wirklichkeit ein Flickenteppich aus 16 Länderregelungen, Schulleiterentscheidungen und lokaler Praxis. Dieser Artikel klärt, was tatsächlich gilt — und was nicht.
Was "hitzefrei" überhaupt bedeutet
Hitzefrei ist kein Schulfrei. Das ist der erste Irrtum, den viele Eltern hegen. Es bedeutet: Der Unterricht wird früher beendet als geplant — oft nach der vierten oder fünften Stunde. Die Kinder gehen dann früher nach Hause, aber die Schule bleibt offen. Betreuungsangebote laufen in der Regel weiter, Mittagessen wird noch ausgegeben, und wer in der Schule bleibt, wird beaufsichtigt.
Der Begriff selbst stammt aus einer Zeit, in der Schulgebäude noch schlechter isoliert und ohne jede Klimatisierung waren. Er hat sich gehalten, obwohl die Realität komplizierter geworden ist.
Wer entscheidet über hitzefrei?
In fast allen Bundesländern liegt die Entscheidung bei der Schulleitung — nicht bei Eltern, nicht beim Kultusministerium, nicht beim Wetterdienst. Die Schulleitung muss abwägen: Ist der reguläre Unterricht noch zumutbar? Liegen die definierten Temperaturwerte vor? Gibt es besondere Umstände (Prüfungen, wichtige Stunden)?
In manchen Ländern gibt es verbindliche Richtwerte, die diese Entscheidung vorgeben. In anderen sind es nur Empfehlungen. Und in einigen Ländern existiert schlicht keine formale Regelung — die Schulleitung entscheidet nach eigenem Ermessen.
Das klingt chaotisch, und manchmal ist es das auch. Zwei benachbarte Schulen in derselben Stadt können an einem heißen Tag unterschiedlich entscheiden. Das ist rechtlich zulässig — und für Eltern oft frustrierend.
Die Regelungen in den Bundesländern 2026
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, was in den 16 Bundesländern gilt. Die genauen Schwellenwerte können sich ändern, daher empfiehlt sich im Zweifelsfall eine Rückfrage beim Kultusministerium oder der Schulleitung.
| Bundesland | Regelung | Temperaturwert |
|---|---|---|
| Bayern | Schulleitung entscheidet, Empfehlungswerte vorhanden | ab 27°C Raumtemperatur |
| Nordrhein-Westfalen | Schulleitung entscheidet eigenständig | kein verbindlicher Wert |
| Berlin | Schulleitung entscheidet, Ermessen | kein offizieller Richtwert |
| Hessen | Schulleitung entscheidet, Empfehlung ab 27°C | ab 27°C Raumtemperatur |
| Niedersachsen | Schulleitung entscheidet | Empfehlung ab 28°C |
| Baden-Württemberg | Kultusministerium-Richtlinie vorhanden | ab 27°C Raumtemperatur über 3h |
| Sachsen | Schulleitung entscheidet | keine verbindliche Vorgabe |
| Rheinland-Pfalz | Schulleitung entscheidet, Empfehlung vorhanden | ab 27°C Raumtemperatur |
| Thüringen | Schulleitung entscheidet eigenständig | kein offizieller Richtwert |
| Brandenburg | Schulleitung entscheidet | Empfehlung ab 27°C |
| Schleswig-Holstein | Schulleitung entscheidet | kein verbindlicher Wert |
| Mecklenburg-Vorpommern | Schulleitung entscheidet | Empfehlung ab 27°C |
| Sachsen-Anhalt | Schulleitung entscheidet | Empfehlung ab 27°C |
| Saarland | Schulleitung entscheidet | keine verbindliche Vorgabe |
| Bremen | Schulleitung entscheidet | Empfehlung ab 27°C |
| Hamburg | Schulleitung entscheidet eigenständig | kein verbindlicher Wert |
Die Tabelle zeigt: Eine bundeseinheitliche Temperaturgrenze gibt es nicht. Die 27-Grad-Marke hat sich informell als Richtschnur etabliert — sie findet sich in mehreren Empfehlungen — ist aber rechtlich nirgendwo verbindlich festgeschrieben.
Wann wird Raumtemperatur gemessen — und wie?
Das ist eine praktische Frage, die in der Schulpraxis oft für Verwirrung sorgt. Gemeint ist in der Regel die Temperatur in den Unterrichtsräumen — nicht draußen, nicht auf dem Schulhof. Ein heißer Tag bedeutet nicht automatisch hitzefrei, wenn die Schulgebäude gut isoliert und beschattet sind. Umgekehrt kann ein vergleichsweise kühler Tag trotzdem zu unerträglichen Temperaturen in älteren, schlecht belüfteten Gebäuden führen.
Die Messung erfolgt in der Praxis meist durch die Schulleitung oder eine beauftragte Lehrkraft — mit einem einfachen Thermometer, oft im Laufe des Vormittags. Es gibt keine Pflicht zu zertifizierten Messgeräten oder amtlichen Protokollen.
Was Eltern konkret wissen sollten
Erstens: Hitzefrei kann auch kurzfristig entschieden werden. Die Schulleitung muss das nicht am Vorabend ankündigen. In der Praxis versuchen viele Schulen, Eltern über Messenger-Dienste oder die Schulwebsite frühzeitig zu informieren — eine Pflicht dazu gibt es aber nicht.
Zweitens: Kinder dürfen nicht einfach früher nach Hause gehen, wenn die Eltern nicht erreichbar sind. Wenn hitzefrei ausgerufen wird, gilt das nur für den Unterricht — nicht für die Aufsichtspflicht. Kinder unter zehn Jahren werden in der Regel erst entlassen, wenn sicher ist, dass ein Erwachsener zu Hause ist oder sie abgeholt werden.
Drittens: Wer als Elternteil nicht flexibel ist, sollte vorsorgen. Das bedeutet: Notfallnummern hinterlegen, Absprachen mit Nachbarn treffen, im Zweifel die Schulbetreuung vorab anfragen, ob sie bei Hitzefrei trotzdem funktioniert.
Hitzeschutz: Was Schulen tun können
Hitzefrei ist letztlich ein Notfallventil — keine Lösung. Viele Schulen in Deutschland sind auf Hitze schlecht vorbereitet. Alte Gebäude ohne Beschattung, Flachdächer, die sich aufheizen, fehlende Ventilatoren. Das ist ein strukturelles Problem, das sich nicht durch frühere Unterrichtsenden lösen lässt.
Was Schulen kurzfristig helfen kann: Vorhänge oder Rollos an Südseite schließen, Unterricht in kühle Zeiten des Tages legen (früher beginnen, Mittagshitze meiden), Wasserfontänen oder Trinkstationen aufstellen. Langfristig braucht es Investitionen in bessere Gebäudehüllen und — zumindest für besonders betroffene Regionen — Klimaanlagen.
Die bildungspolitischen Debatten rund um Schulgebäudesanierung sind in diesem Zusammenhang relevant: Ohne bessere Gebäude bleibt Hitzefrei das einzige Werkzeug.
Prüfungen, Abschlussjahre und Hitzefrei
Ein Detail, das oft übersehen wird: Hitzefrei gilt nicht automatisch für alle Klassen. Viele Schulleitungen machen Ausnahmen für Abschlussklassen, für Prüfungstage oder für wichtige Klassenarbeiten. Wenn am selben Tag eine Klausur geplant ist, die für das Zeugnis entscheidend ist, wird die Schulleitung in der Regel abwägen, ob der Unterricht trotzdem stattfindet — gegebenenfalls mit angepassten Bedingungen.
Eltern von Prüfungskindern sollten das wissen: Ein heißer Tag schützt nicht automatisch vor der Mathearbeit.
Häufige Fragen zu Hitzefrei
Ab welcher Temperatur gibt es hitzefrei?
Es gibt keinen bundeseinheitlichen Wert. In vielen Bundesländern gilt informell 27°C Raumtemperatur als Richtwert für eine mögliche Hitzefrei-Entscheidung — verbindlich ist das aber nur in wenigen Ländern. Die Entscheidung liegt bei der Schulleitung.
Wer entscheidet über hitzefrei?
In allen Bundesländern liegt die Entscheidung bei der Schulleitung. Sie muss Temperatur, Gebäudezustand, Stundenpläne und besondere Situationen (Prüfungen) abwägen. Das Kultusministerium gibt in manchen Ländern Empfehlungen, entscheidet aber nicht selbst.
Darf mein Kind bei hitzefrei allein nach Hause gehen?
Das hängt vom Alter des Kindes und den schulischen Regelungen ab. Jüngere Kinder (Grundschule) werden in der Regel erst entlassen, wenn ein Erwachsener erreichbar ist. Ältere Schüler können je nach schulinterner Regelung eigenständig gehen. Im Zweifelsfall vorab mit der Schule klären.
Gilt hitzefrei auch für Prüfungen?
Nicht automatisch. Schulleitungen können Ausnahmen für Prüfungsklassen und wichtige Klassenarbeiten machen. Ein heißer Tag garantiert also keine Absage von Klassenarbeiten. Die Schule entscheidet im Einzelfall.
Ist hitzefrei dasselbe wie schulfrei?
Nein. Hitzefrei bedeutet früherer Unterrichtsschluss — nicht dass die Schule komplett schließt. Betreuungsangebote, Hortgruppen und Mittagessen laufen in der Regel weiter. Kinder, die betreut werden müssen, bleiben in der Schule.
Mein Fazit
Hitzefrei ist in Deutschland weder ein Recht noch ein automatischer Anspruch. Es ist eine Ermessensentscheidung der Schulleitung, die auf uneinheitlichen Empfehlungen und oft jahrzehntealten Gebäuden basiert. Das Ergebnis ist eine Situation, die für Eltern schwer vorherzusagen und schwer zu planen ist — besonders für Berufstätige, die kurzfristig reagieren müssen.
Was wirklich helfen würde: klare, bundesweit einheitliche Regelungen und vor allem bessere Schulgebäude. Bis dahin bleibt Hitzefrei ein Provisorium. Die Ferientermine, an denen solche Situationen nicht entstehen, findest du im Schulferien-Überblick. Alle bundesländerspezifischen Regelungen rund um Bildungsthemen im Aktualitäten-Bereich.
Dieser Artikel basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen der Kultusministerien der Länder sowie schulrechtlichen Regelungen. Die Angaben zu Temperaturwerten sind Orientierungswerte ohne Rechtsverbindlichkeit. Stand: April 2026. Keine Werbepartner.